Texte

Text zur Ausstellung „Expedition“, Stadtgalerie E5, Mannheim (2009)

Tanja Vetter bietet Malerei als selbst inszenierte Verfremdung einer Wirklichkeit dar, in der sich gegenständliche und abstrakte Elemente gegenseitig durchdringen. Landschaften sind ihr Sujet. Unbehaglich, melancholisch, befremdend nimmt man die Wald- und Berglandschaften, See- und Staffagelandschaften in den Blick. Denn trotz der Nähe zu dem Dargestellten mischen sich irreal anmutende Züge in die Naturräume hinein, bahnen sich den Weg vom konkret fassbaren Motiv über seine Auflösung bis hin zu abstrahierten Farbflächen, warm und kalt tönenden Farbverläufen und Oberflächenstrukturen.

Denn der Künstlerin geht es nicht darum, Natur abzubilden. Vielmehr gestalten sich ihre Landschafts-„Impressionen“ aus der Malerei selbst heraus, vollzieht sich Natur im Malprozess. Ihr künstlerisches Repertoire reicht von expressiven Pinselstrichen bis hin zu getröpfelter und verlaufender Ölfarbe; immer wieder wird der Tiefenraum gesucht und durch die Autonomie der Farbe wieder durchbrochen.

Daneben Menschengestalten in weiter sublimer Landschaft. Insbesondere die jüngsten Arbeiten beziehen die Figur, den Menschen in die koloristischen Landschaftsräume ein. Diese können durchaus symbolhafte Funktion haben und Fragen nach der scheinbar längst überholten Sehnsucht und dem abgebrochenen Verlangen nach Einheit von Natur und Mensch stellen, diese neu entdecken und erfahrbar machen.

Stefanie Müller
M.A., Kunsthalle Mannheim